Mama, mach mal Pause

Der Mama-Alltag ist ganz bestimmt die schönste Aufgabe, die man im Leben haben kann, aber gleichzeitig auch ganz schön fordernd. Ich liebe es, Mama zu sein und kann mir gar nicht mehr vorstellen, wie mein Leben ohne Kind war. Dennoch habe ich in den letzten Wochen bemerkt, wie wichtig es ist, auch wieder auf mich zu schauen. Mein Sohn ist nicht mehr zu 100 % von mir abhängig, was mich zumindest zeitweise ein bisschen freispielt und mir die Zeit gibt, die ich für mich brauche. Ein wunderschönes Gedicht von Bernhard von Clairvaux sagt „Die gütige und kluge Liebe ist gewohnt überzuströmen, nicht auszuströmen. Ich möchte nicht reich werden, wenn du dabei leer wirst.“ Also, Mama, schau, dass deine Energiereserven gut aufgeladen sind, weil nur dann hast du Energie für dein Kind. 


Was mir schon in der Schwangerschaft und der Vorbereitung auf die Geburt geholfen hat, für Gleichgewicht zu sorgen, war das Gestalten von Affirmationskarten. Vor kurzem habe ich mich daran erinnert und dachte, was mir damals geholfen hat (und ich bin der festen Überzeugung, dass die Affirmationskarten mit ein Grund für meine schöne, schnelle und unkomplizierte Geburt waren), kann auch heute für eine Balance im Leben sorgen. Oder zumindest daran erinnern. Also habe ich mich hingesetzt, Zitate und Gefühle rausgekramt und mit Buntpapier, Filzstiften, Schere und Kleber ein paar Affirmationskarten für meinen Badezimmerspiegel gestaltet. Da sehe ich sie täglich mehrmals, sodass mein Unterbewusstsein an wichtige Dinge erinnert wird. In meinem Fall: im Moment zu leben und auch mal wieder auf mich zu schauen. 

Vor der Schwangerschaft habe ich leidenschaftlich gerne 6-Minuten-Tagebuch geschrieben. Da unsere Tagesabläufe aber jetzt ein bisschen anders sind, liegt das Tagebuch schon sehr lange in meinem Nachtkastlregal. Dafür habe ich jetzt zwei andere Bücher gefunden, die täglich ein paar Minuten Me-Time für mich sind und mich entspannen, wenn mein Sohn im Bett ist: 

My mindful flow – 365 Ideen für ein achtsames Jahr von Jocelyn de Kwant. In dem Buch sind, wie der Titel schon sagt, 365 Ideen und Aufgaben enthalten, die jeweils nur ein paar Minuten Zeit brauchen, aber die Gedanken mal bewusst auf den Moment lenken und mehr Achtsamkeit in den Tag bringen. 

Die Ideen sind in 12 Kapitel unterteilt, für jedes Monat eins, das jeweils mit einem kurzen Input zum Thema beginnt. Das ist beispielsweise Natur, Schreiben oder Essen. Ich habe für mich beschlossen, mich damit nicht zu stressen und jeden Tag, wenn ich Zeit habe, eine Aufgabe auszuführen. Wenn es sich mal nicht ausgeht, ist das auch nicht schlimm. Es soll ja entspannen und nicht eine zusätzliche Belastung sein. 

Das Buch ist extrem schön und abwechslungsreich gestaltet und macht mir einfach Spaß. Abends in der Veranda zu sitzen, ein paar Minuten vor mich hin zu zeichnen oder zu schreiben – großartig! (Das Buch ist ganz bestimmt auf für Nicht-Mamas sehr hilfreich, um einen Anker der Ruhe im Alltag zu setzen.)

(Wie man sieht, bleibt nichts ohne dass mein Sohn seine Finger drin hat. In diesem Fall mit dem Bleistift…)

Täglich 5 Minuten der Ruhe – Mein Achtsamkeitstagebuch von Tania Ahsan. Streng genommen ist es eigentlich gar kein Tagebuch, aber trotzdem ein täglicher Begleiter. Ich muss zugeben, dass ich mich erst nicht so gut in dem Buch zurechtgefunden habe, aber dann den Sinn doch ganz cool gefunden habe: jede Doppelseite reicht für eine Woche. Während die linke Seite am Beginn der Woche auszufüllen ist, bezieht sich die rechte Doppelseite auf das Ende der Woche. Links sind kurze Fragen, etwa wie man sich in dieser Woche täglich 5 Minuten der Ruhe gönnen möchte, was man sich vornimmt für diese Woche oder auch über seinen eigenen Charakter. Außerdem gibt es eine Affirmation der Woche, die ich mir gerne vor Augen halte. 

Rechts sind dann Reflexionsfragen, wie die Woche mit den Ruhepausen war und wie man manches von der linken Seite umgesetzt hat. Zwischen den einzelnen Wochen gibt es leere Seiten, die zur kreativen Gestaltung anregen sollen. Manchmal sind auch assoziative Fragen dabei, etwa, wie ich mich genau jetzt fühle. 

Auch dieses Buch ist grafisch sehr ansprechend gestaltet und macht richtig Spaß. Da ich mich nicht entscheiden konnte, welches Buch ich gerade besser finde, habe ich mit beiden begonnen und nehme abwechselnd das zur Hand, nach dem mir gerade ist. 

Momentan lese ich auch total gerne Zeitschriften. Wenn mein Sohn tagsüber schläft, teile ich mir die Zeit möglichst so ein, dass ich zumindest ein paar Minuten in einer Zeitschrift blättern kann. Das erweitert (je nach Zeitschrift) den eigenen Horizont innerhalb kürzester Zeit und inspiriert mich. Außerdem lese ich auch immer noch gerne Bücher, die ich hier eh regelmäßig empfehle. 

Unlängst war ich einen Abend allein zuhause (mein Sohn hat geschlafen) und ich wollte unbedingt etwas Kreatives machen. Und wie es bei mir immer so ist, überlege ich viel zu lange, sodass ich schlussendlich zu nichts mehr komme, weil vor lauter Recherche und überlegen, der Abend vorbei ist. Deshalb habe ich dann einfach das nächstbeste gemacht, was mir eingefallen ist: Filzstifte hervorgeholt und ein Ausmalbild angemalt. Das hat richtig gut getan, weil ich ausnahmsweise mal über nichts anderes nachgedacht habe, als über die Farbe, die ich als nächstes aussuchen möchte. Dabei noch gute Musik aufdrehen und meine persönliche Batterie ist wieder aufgeladen.

Vorm Schlafengehen eine kleine Meditation kann auch Wunder bewirken. Oft lege ich mich ins Bett und ärgere mich, dass ich dieses und jenes nicht erledigt habe. Das bringt aber eh nichts. Der Tag ist vorbei und was nicht erledigt ist, wird eben morgen gemacht. Stattdessen die Nacht mit einer Meditation einzuläuten, macht den Kopf frei und lässt mich sehr gut einschlafen. Ich mag den Bodyscan gerne – dafür gibt es zB auf Youtube viele Anleitungen.

Und weil mein Sohn jetzt alt genug ist, um auch Abende alleine mit Papa zu verbringen, habe ich endlich wieder mit einem Hobby angefangen, das ich in der Schwangerschaft pausiert habe: ich gehe wieder tanzen. Erst, als ich zum ersten Mal nach meiner Babypause wieder dort war, ist mir aufgefallen, wie sehr es mir gefehlt hat. Wie gut das Dehnen tut. Wie sehr sich mein Körper freut, dass ich mich wieder um ihn kümmere. Ich hatte sogar das Gefühl, dass ich es jetzt noch mehr genießen kann, als je zuvor. 

Natürlich ist alles vom Alter des Kindes abhängig und manche Dinge gehen eben erst später wieder. Was mir aber guttut ist die Tatsache, dass es für alles seine Zeit gibt. Dass ich jetzt langsam Dinge für mich tun kann. Vielleicht nur kleine, aber das wird mit der Zeit auch wieder mehr oder anders. Momentan freue ich mich auf meine kleinen Me-Time-Anker und genieße sie. Auch wenn ich, wie man auf dem Beitragsbild gut erkennen kann, meine Pausen oft verschieben muss und all meine Vorsätze nur mäßig funktionieren. Aber das Schönste ist sowieso, wenn mein Sohn meine Nähe sucht und Teil von dem sein will, was ich gerade mache.

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