Während die Welt noch auf die Welturaufführung von dem Musical Schikaneder im Wiener Raimund Theater wartet, war ich schon mal für euch bei einer Preview. Bis zur Premiere warten kann ich nicht, dafür bin ich zu neugierig. Ich war mega gespannt auf Schikaneder, weil ich schon von vielen Seiten gehört habe, dass es so toll sein soll. Außerdem ist eine Uraufführung immer spannend. Also ging ich mit relativ hohen Erwartungen ins Wiener Raimund Theater.

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Und war anfangs sehr enttäuscht. Meiner Meinung nach ist es kein richtiges Musical, oder zumindest nicht so eines wie ich es gerne habe. Für meinen Geschmack ist zu viel „klassische“ Musik dabei – auch zu viele Koloraturen. Das Orchester ist zwar wie immer großartig, aber leider eher altmodisch ausgestattet. Komponist Stephen Schwartz wollte mit seiner Orchesterbesetzung an die Zauberflöte erinnern, was ihm auch gelungen ist. Aber ich bevorzuge Musicals wo auch E-Gitarren im Graben zu finden sind. Die Musik an sich ist teilweise etwas substanzlos, aber zu der Zeit, in der die Gesichte spielt, durchaus passend.

Ich muss aber ehrlich sagen, dass immer mehr positive Dinge zu Schikaneder hinzukommen. Die Enttäuschung war also nicht allzu groß. Die Liebesgeschichte von Eleonore und Emanuel Schikaneder ist großartig erzählt. Die beiden sind ein charmantes Paar, und erzählen spannende Details aus der Entstehungsgeschichte der Zauberflöte. Milica Jovanovic ist eine wirklich bezaubernde Eleonore. Sie spielt unglaublich toll – von frech über lieb bis stark, ihre Eleonore ist sehr farbenreich. Auch gesanglich ist sie gewohnt großartig. Mark Seibert in der Titelrolle spielt witzig, aber auch charmant. Die ideale Besetzung für diese Rolle. Auch die restlichen Rollen sind gut besetzt. Ich persönlich finde es ein bisschen schade, dass die Rolle von Reinwald Kranner, die des Marinelli, so klein ist. Aber das liegt wohl am Stück.

Was mir auch besonders gut gefallen hat, ist die Bühne. Ich liebe ja die Drehbühne im Raimund Theater, und die ist optimal genutzt. Das Bühnenbild ist ein Theater, ein Theater im Theater also. Die Drehbühne zeigt mal die Vorderansicht der Bühne, mal schaut sie hinter die Kulissen.

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Was ich auch sehr schön gemacht finde, sind die Plakate rund um das Theater. Die geben dem Zuschauer schon einen kleinen Einblick in den Zauber der Geschichte. Im Foyer gibt es einen Fotoautomaten mit dem man nette Erinnerungsfotos an einen schönen Theaterabend machen kann. Das ist natürlich wieder ein riesiger Pluspunkt auf meiner Liste.

Ich muss gestehen, ich war mittlerweile in zwei Previews. Bei der Ersten war ich sehr enttäuscht. Bei der Zweiten schon begeisterter und vor allem endlich berührt. Die Liebesgeschichte rund um Eleonore und Emanuel ist unglaublich schön erzählt. Generell muss ich Musicals öfter sehen um mir eine vielschichtige Meinung bilden zu können. Also vielleicht war ich anfangs zu voreilig. Aber eines steht immer noch fest: mein neues Lieblingsmusical wird es nicht. Aber noch einmal anschauen werde ich es auf jeden Fall.

Insgesamt kann ich sagen, dass Schikaneder handwerklich definitiv gut gemacht ist. Sowohl die Besetzung als auch das Orchester sowie Bühnenbild und Kostüme sind wirklich gut. Das Stück weist zwar gewisse Längen auf, aber ich finde, es gehört zur Allgemeinbildung. Also trotzdem unbedingt anschauen! Und bis dahin könnt ihr ja meinen Drink ausprobieren – von Schikaneder inspiriert und Eleonore gewidmet.