Draußen ist es düster und neblig. Ihr geht durch die Straßen von Wien. Abends. An welchen Film erinnert euch das? Richtig, an den Dritten Mann. Aber wusstet ihr, dass es da auch ein Museum in Wien gibt? Ich durfte dem Dritten Mann-Museum einen Besuch abstatten um euch einen Eindruck zu verschaffen.

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Das Museum im 4. Bezirk ist mit ganz viel Liebe zum Detail ausgestattet. Und das, obwohl es gänzlich ohne Förderungen auskommt. Das Museum ist in drei Teile geteilt, die nicht miteinander verbunden sind. Zwischen den Teilen muss man immer über die Straße zum nächsten Eingang gehen. Das unterbricht das Film-Flair des Museum aber eigentlich gar nicht, weil Wiens Straßen sowieso sehr viel vom Dritten Mann haben. Generell wird man in dem Museum in die 40iger Jahre des vorigen Jahrhunderts versetzt – und das mit allem, was man sich vorstellen kann: alte Programmhefte aus Kinos, Szenenbilder, Plakate, Bücher, Drehbücher, alte Kameras und Filmbänder und so weiter. Schaut man sich um, sieht man unzählige Schätze rund um den Film „Der Dritte Mann“. Auch über Orson Welles, der den Harry Lime im Film gespielt hat, erfährt man im Museum einiges.

Das Museum ist multimedial angelegt. Es gibt liebevoll gestaltete Programmhefte, Musik, Tafeln zum Lesen, Bildschirme und QR-Codes für mehr Info am Smartphone. Man kann sogar einen Abstecher in den „Kanal“ machen, wo ein Kanalgitter ausgestellt ist. Dort kann man ausprobieren, ob man die Finger tatsächlich so durchstecken kann, wie es im Film gezeigt wird.

Im zweiten Raum steht ein Projektor aus dem Jahr 1936. Mit dem werden zwei Minuten des Films gezeigt. Das fand ich besonders beeindruckend, da ich noch nie so einen alten Projektor in Aktion erlebt hab. Eine interessante Erfahrung war es, neben dem Projektor zu sitzen, denn der macht einen Höllenlärm wenn er das Band abspielt.

Im 3.Teil des Museums wird der historische Hintergrund rund um die Zeit des Dritten Mannes gezeigt. Hier gibt’s viele alte Fotos und Gegenstände von damals zu sehen. Und ein Geheimnis bei der Besuchertoilette. Schaut man in diesem Teil des Museums genau, entdeckt man viele Zitate aus dem Film. Aber auch alte internationale Zeitungen, ein ungeöffnetes originales CARE-Paket aus 1947 und kuriose Souvenirs rund um den Film sind hier zu finden.

Insgesamt hat das ganze Museum etwas sehr Geheimnisvolles für mich. Ich hatte das Gefühl, nicht auf den Spuren des Dritten Mannes zu sein, sondern eigentlich mittendrin zu stecken. Mein persönliches Highlight war die nachgestellte Flucht-Szene aus dem Film im Kellergewölbe, das eigentlich einen Kanal darstellte. Zum Schluss taucht man über Stiegen aus dem Museum auf, wie aus einem Kanal. Über diese Stiegen gelangt man vom dritten Teil in den Shop, wo man unzählige Fan-Artikel kaufen kann.

Das Museum erzählt nicht nur viele Details rund um den Film, sondern auch ganz viel aus der Zeit, der 1940er Jahre. Also auch wenn man den Film nicht heiß liebt, ist es historisch megainteressant.

Ihr wollt auch in Wiens Geschichte und Geheimnisse eintauchen? Dann stattet doch an einem Samstagnachmittag dem Dritten Mann-Museum einen Besuch ab! Das Ehepaar, das das Museum privat betreibt, freut sich bestimmt. Sie haben wahnsinnig viel Herzblut hineingesteckt. Das zeigt sich auch in den netten Gesprächen mit den Gästen. Das Museum bietet übrigens immer wieder Konzerte zur Filmmusik an. Vielleicht interessiert euch das ja?

Der Dritte Mann ist so düster, und das fängt das Museum super ein. Aber jetzt wird’s Zeit für was Warmes. Meinen Frühstückspunsch könnt ihr natürlich auch nach einem Museumsbesuch trinken!