Um ehrlich zu sein, hab ich mir vom neuen Musical „Don Camillo und Peppone“ im Wiener Ronacher nicht sonderlich viel erwartet. Aber mindestens einmal muss man (oder zumindest ich) jedes Musical gesehen haben. Also ließ ich mich von meinen Eltern überreden und wir machten letztes Wochenende einen „Familienausflug“ ins Theater, wie früher.

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Das Musical dreht sich um die Streitereien zwischen dem Pfarrer Don Camillo und dem kommunistischen Bürgermeister Peppone. Dem Pfarrer sind die neuen politischen Bewegungen in „seinem“ Dorf nicht recht, weswegen es immer wieder zwischen den beiden kracht. Im Endeffekt müssen sie aber doch zusammenhalten, da dem Dorf große Gefahr droht…

Zuerst war ich gleich mal irritiert, weil das Orchester auf der Bühne sitzt und quasi im Bühnenbild integriert war. Das bedeutet auch, dass weniger Musiker als sonst mitspielen. Das hat aber im Nachhinein nicht so viel gemacht, da das VBW-Orchester auch in kleinerer Besetzung großartig klingt. Die Besetzung war insgesamt sehr gut, auch wenn ich nicht die volle Erstbesetzung der Darsteller gesehen habe – und das am Samstagabend.

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Das Bühnenbild fand ich insgesamt ein bisschen karg. Es hat sich nicht ganz so viel gedreht und gehoben wie bei den Musicalinszenierungen von früher. Aber richtig cool waren die Tiere, die von Darstellern bewegt wurden. Von der Machart erinnerte mich das an die Pferde in War Horse, einem Stück das ich mal in London gesehen habe. So waren in Don Camillo und Peppone Katzen und Hunde als Holzpuppen auf der Bühne unterwegs, was relativ echt ausgesehen hat.

Aber, was bei einem Musical ja eigentlich wichtig wäre, zur Musik: die war mit ein paar Ausnahmen nicht so berauschend. Immer wieder haben Songs ganz groovy begonnen, aber ganz entwickelt haben sie sich nie. Insgesamt erinnert die Musik an italienischen Schlager. Aber das war auch eigentlich zu erwarten. Schließlich hat der Komponist Dario Farina schon Schlager für Al Bano und Romina Power geschrieben. Die musikalischen Ausnahmen – die auch gleichzeitig die Highlights sind – sind eindeutig die Lieder der alten Gina. Auch der Text war teilweise platt und so gar nicht das, was man sonst von Michael Kunze gewöhnt ist.

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Jetzt aber genug gemeckert, ein paar coole Sachen möchte ich euch auch noch aufzählen. Richtig cool fand ich den Fluss, der auf der Bühne war. Dort wo sonst der Orchestergraben ist, wurde ein Becken mit Wasser gefüllt. Das wird auch ganz nett im Stück bespielt. Ebenso cool waren, wie schon erwähnt, die Darsteller und Darstellerinnen. Allen voran aber Maya Hakvoort, die eine ganz wunderbare, schwermütige, alte Gina spielt. Als Erzählerin ist sie eigentlich fast immer auf der Bühne. Auch wenn sie die Handlung gerade nicht trägt und vielleicht nur melancholisch lächelnd am Fluss sitzt, lohnt es sich, sie zu beachten.

Sehr entzückend fand ich auch den Handlungsstrang mit der Liebesgeschichte. Sonst ist die Handlung ja mehr ein hin und her zwischen Don Camillo und Peppone, die sich eben nicht so gern mögen. Die Liebesgeschichte ist da eine nette Abwechslung. Auch sehr lustig fand ich den alten Mann, der immer wieder im Stück totgeglaubt ist und dann aber doch wieder aufersteht. Der ist einfach entzückend.

Mein Fazit ist also dass es ein durchwachsener Theaterabend war, aber eigentlich nicht schlecht. Es war zwar ein bisschen lang, dafür aber weit weniger peinlich-lustig als ich ursprünglich dachte. Lasst euch nach dem ersten Akt nicht abschrecken, meiner Meinung nach ist der zweite Akt musikalisch besser.