Letztens habe ich nach langer Zeit wieder einmal ein Jugendbuch gelesen. „Hundert Stunden Nacht“ von Anna Woitz ist gerade erst auf Deutsch im Carlsenverlag erschienen. Ich habe immer gerne Jugendbücher gelesen – nicht nur mit 14. Sind sie gut geschrieben, muss man sich gar nicht schämen, wenn man sie auch als Erwachsene liest. „Hundert Stunden Nacht“ ist definitiv so ein gut geschriebenes Buch.

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Im Buch geht es um Emilia, ein niederländisches Teenager-Mädchen, das zuhause Probleme hat und nach New York abhaut. Welche Probleme sie genau hat, erfährt man erst relativ spät. Das macht das Buch spannend, weil ich mich von Beginn an gefragt habe, warum sie eigentlich abhaut. Sie hat über das Internet Apartment und Flüge gebucht, mit der Kreditkarte ihres Vaters. Als sie in New York ankommt, muss sie jedoch feststellen, dass ihr gebuchtes Apartment gar nicht existiert. Zum Glück lernt sie den pflichtbewussten Seth und die aufgeweckte Abby kennen, die bei der Adresse wohnen, wo das vermeintliche Apartment sein sollte. In New York kündigt sich Wirbelsturm Sandy an, der schon bald die Stadt fest im Griff hat. Die beiden Geschwister nehmen Emilia auf, genauso wie den verrückten Jim, der eine Verletzung hat und deswegen nicht allein sein soll. Zu viert leben sie im „Orkanasyl“ und warten, bis der Wirbelsturm vorbei ist.

Die Geschichte ist spannend und sehr kurzweilig erzählt. Das Buch liest sich einfach und schnell. Obwohl es ein Jugendbuch ist, war ich auch als Erwachsene davon gefesselt. Was mich jedoch störte, war die Übersetzung. Das Original ist auf Niederländisch erschienen. Im Nachhinein betrachtet hätte ich es besser in der Originalsprache gelesen. Die deutsche Übersetzung von Andrea Kluitmann ist etwas holprig. So steht beispielsweise „gegen dein Eis kommen“, wobei gemeint ist, dass man am Eis ankommt. Im Niederländischen sagt man „tegen“, aber auf Deutsch klingt das sehr komisch. Was hier auch auffällt ist, dass je länger das Buch dauert, mehr Übersetzungsschwächen zu finden sind.

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Die Hauptfiguren sind allesamt sehr liebenswürdig, sodass es insgesamt ein sehr sympathisches Buch ist. Die Protagonistin Emilia ist neurotisch und hat Angst vor Bakterien. Was anfangs ein bisschen Monk-artig wirkt, stellt sich später als liebevolles Detail heraus, das mit viel Witz erzählt wird. Generell wird das Buch sehr „echt“ beschrieben, wie Teenager eben so sind. Das Ende ist jedoch (für mich zumindest) unbefriedigend, also seid gewarnt!

Der Titel zielt übrigens auf den Stromausfall ab, der während dem Orkan stattfindet. Dadurch ist es fast immer dunkel, als wäre hundert Stunden lang Nacht.

 „Hundert Stunden Nacht“ ist ein sehr nettes Buch, das ich sehr gerne gelesen habe und auch weiterempfehlen kann. Wer aber die Möglichkeit hat, sollte unbedingt das Original „Honderd uur nacht“ lesen.