Das nächste Buch meiner Sommerleseliste führt uns nach Italien. Der Roman „Die wundersame Reise eines verlorenen Gegenstands“ von Salvatore Basile spielt in Italien, allerdings im Winter. Das war aber eigentlich eh ganz angenehm, weil heiß ist es in letzter Zeit eh genug. Der Roman erzählt von Einsamkeit und wie schwer es ist, wieder Vertrauen zu fassen, wenn es einmal missbraucht wurde.

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Das Buch „Die wunderbare Reise eines verlorenen Gegenstands“ erzählt die Geschichte des 30-jährigen Michele. Er wurde als Kind von seiner Mutter verlassen und lebt noch immer von allem völlig abgeschottet in dem Bahnhofshäuschen, in dem er auch aufgewachsen ist. Michele arbeitet am Bahnhof und sammelt jeden Abend die liegengebliebenen Gegenstände im Zug ein. Nur ein einziger Zug fährt in der Früh am Bahnhof weg und kommt am Abend wieder. Mehr Abwechslung gibt es für Michele nicht. Außer den Gegenständen, die er einsammelt und in seinem Haus aufbewahrt. Er spricht auch nur mit ihnen, weil Gegenstände einen nicht verraten und auch keine Versprechen brechen. Bis eines Tages Elena kommt, um eine Puppe von den Fundsachen zu holen. Sie begegnet Michele wie ein Wirbelwind und stellt sein Leben auf den Kopf. Als er schließlich auch das Tagebuch aus seinen Kindertagen findet, welches seine verschwundene Mutter damals mitgenommen hat, fasst Michele doch den Mut, sein Haus zu verlassen. Er begibt sich auf eine wundersame Reise quer durch Italien, in der er viele Menschen trifft, die alles verändern.

Das Buch steigt zwar relativ schnell in die Handlung ein, plätschert aber auch längere Zeit dann nur ein bisschen weiter. Bis sich dann tatsächlich etwas Spannendes tut, dauert es in dem rund 350 Seiten-Roman lang – obwohl Michele Elena gleich zu Beginn kennenlernt. Die Hauptfigur Michele ist so sehr eingeigelt, dass man sich fast schon darüber ärgert. Eigentlich stelle ich mir den Bahnhof am italienischen Meer sehr malerisch vor, aber Michele macht einfach nichts daraus.

Als Michele dann auf die Reise geht, lernt er so viele Menschen kennen, und es passiert einiges, was meiner Meinung nach fast schon zu viel ist. Irgendwie wirkt es so surreal, obwohl es in der normalen Welt spielt. Dann aber, als er doch die erste echte Spur zu seiner verschwundenen Mutter findet, wendet sich das Blatt und das Buch wird doch noch spannend. Zunehmend entwickelt sich Michele zu einem normalen Menschen, und wird dadurch erträglicher, und sympathischer.

Eigentlich mochte ich das Buch nicht sonderlich, und ich hab auch etwas ganz anderes erwartet. Das Ende berührte mich dann aber so, dass ich das Buch, im Nachhinein betrachtet, doch ganz schön fand. Auch der Titel passt gut zu der Geschichte und ist viel poetischer, als ich ursprünglich dachte. Gut finde ich, dass es keine reine Liebesgeschichte ist, so wie ich das angenommen hab. Im Grunde spielt die Beziehung zu Elena keine Hauptrolle, wird aber immer wieder in die Handlung eingeflochten.

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Grundsätzlich wäre die Handlung eine melancholische Geschichte, die fast etwas poetisches haben könnte, wäre sie nicht ständig von zu vielen Ereignissen überladen. Mein Opa sagt immer, man kann jedes Buch auf weniger als 200 Seiten genauso gut erzählen, oder sogar besser. Eigentlich stimme ich ihm da meistens nicht zu, aber diesem Buch hätte eine Reduktion tatsächlich gutgetan. Dann wäre diese schwermütige Stimmung besser rübergekommen, glaube ich.

Ganz zauberhaft finde ich aber einen kleinen Jungen, der erst in der zweiten Hälfte des Buches auftritt, aber dann noch so richtig wichtig wird. Der kleine Gianni ist mein absoluter Lieblingscharakter, weil er noch so kindlich unverdorben ist in seinem Glauben an die Menschheit. Er ist ein Grund, warum das Ende so überraschend ist, und das Buch doch schön macht, nicht nur hoffnungslos und negativ. Trotz allem also ein lesenswertes Buch.