Zum 20-jährigen Jubiläum von Tanz der Vampire, dem Kultmusical, können endlich wieder Vampirzähne, rote Stiefel und weiße Schminke ausgepackt werden. Ab heute Abend geistern die Untoten in einer würdigen Jubiläumsfassung durch das Wiener Ronacher.

(c) VBW/ Deen van Meer
(c) VBW/ Deen van Meer

Meine Vorfreude war mindestens so groß wie meine Spannung. Endlich sind die Vampire wieder zurück. Aber ich war auch ein bisschen besorgt, da eine „Jubiläumsfassung“ angekündigt wurde – ich hoffte, mein geliebtes Tanz der Vampire in der gewohnten Inszenierung zu sehen, ohne dass großartig herumgedoktert wurde. Zum Glück erfüllte sich dieser Wunsch sofort. Ich kam aus der ersten Preview und fühlte mich sechs Jahre jünger. Sechs Jahre ist es her, dass die Vampire zum letzten Mal auf einer Wiener Bühne zu sehen waren.

Die Diskussion um den Lieblingsgrafen ist in der Musicalszene sicher eine der heißesten überhaupt. Die Vereinigten Bühnen Wien haben dieses Problem aber gut gelöst: sie haben einfach drei Grafen als Erstbesetzung genommen, die sich die Spielzeit aufteilen. Den Anfang macht Drew Sarich (bis Anfang November), dann kommt Mark Seibert (bis Ende Dezember), gefolgt von Thomas Borchert (bis Mitte Februar). Ich finde die Lösung gut, weil so für jeden Fan jemand dabei ist. Ich sag aber auch gerne und wenn es sein muss auch sehr laut dazu, dass mein Lieblingsgraf Drew Sarich ist. Er ist einfach ein so cooler und trotzdem so gefühlvoller Vampir, dass ich ihn in dieser Rolle sehr liebe.

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Bei den beiden Previews habe ich zwei verschiedene Professoren Abronsius gesehen: Fernand Delosch und Sebastian Brandmeir. Beide waren solide in der Rolle, wobei mir im direkten Vergleich Fernand Delosch bessser gefallen hat. Er spielt nicht ganz so hibbelig und übertrieben wie sein Kollege. Nichtsdestotrotz vermisse ich ein bisschen Gernot Kranner in der Rolle, das war einfach legendär. Ich hab generell schon wieder vergessen, wie viele Slapstick-Szenen im Stück eigentlich vorkommen und wie sehr man über den Professor lachen kann.

Raphael Groß und Diana Schnierer spielen Alfred und Sarah. Die beiden sind noch sehr jung und passen daher sehr gut in ihre Rollen. Raphael Groß ist ein wirklich herziger Alfred, ist aber auch stimmlich gut drauf. Diana Schnierer macht ihre Sache gut, auch wenn ihre Stimme ganz ab und zu ein bisschen schriller klingt, als ich die Sarah im Ohr habe. Manchmal ist ihre Aussprache auch ein bisschen hart, aber alles in allem ist sie überzeugend.

Auch der Rest der Besetzung ist durchgehend überzeugend: Nicolas Tenerani als Chagal, Dawn Bullock als Rebecca, Marle Martens als Magda und Charles Kreische. Eine meiner liebsten Rollen ist Koukol, verkörpert durch Florian Resetarits, was er wirklich gut macht.

Das Tanzensemble ist hervorragend besetzt – die Tanzszenen sind wahnsinnig beeindruckend und definitiv ein Highlight des Abends. Genauso wie das fantastische Orchester, geleitet von Koen Schoots. Wieder einmal sieht man, wie wichtig ein großes, tolles Orchester im Musical ist. Mit dem Wiener Orchester haben wir da wirklich Glück.

(c) VBW/ Deen van Meer
(c) VBW/ Deen van Meer

Das Bühnenbild ist aufwändig und düster gestaltet. Einen großen Teil für die Stimmung macht auch das geniale Lichtdesign aus. Außerdem bringt mich die Inszenierung immer noch zum Staunen. Ich liebe es einfach, wenn die Tricks geheimnisvoll sind, sodass man sich als Zuschauer fragt, wo denn auf einmal der Graf herkommt.

Insgesamt ist Tanz der Vampire endlich mal wieder ein Beispiel, wie ich mir Musical vorstelle. Auch die Aufmachung ist viel liebevoller als so manch andere Produktionen. Wie es so schön heißt: Ist das eine Jahr mager, wird das nächste Jahr reich. Ich genieße also endlich wieder ein sehr reiches Musicaljahr.