Oktober-Lieblinge

Im Sommer habe ich begonnen, eine Romanserie zu lesen, die ich euch heute endlich vorstellen möchte. Die drei Bücher von Minna Lindgren erzählen die Geschichte von ein paar alten Damen, die in einem finnischen Altersheim wohnen und sich selbst in so manche Schwierigkeiten bringen.

1. Band: Rotwein für drei alte Damen oder Warum starb der junge Koch?

Schon der erste Satz des ersten Bandes hat mich zum Lachen gebracht: „Siiri Kettunen erwachte, wie jeden Morgen, mit der Erkenntnis, dass sie noch immer nicht gestorben war.“

Von Anfang an ist erkennbar, dass diese Bücher schwarzhumorig, skurril und eben sehr unterhaltsam sind.

Siiri, Irma und die restlichen Einwohner von „Abendhain“ vertreiben sich die Zeit mit Kartenspielen, Rotwein und Leberauflauf. Da sie für ihr Alter (über 90) noch sehr rüstig (und vor allem schlagfertig) sind, lassen sie sich nur ungern zu den gemeinsamen Bastelstunden und anderen Aktivitäten verdonnern. Also unternehmen sie regelmäßige Straßenbahnausflüge durch Helsinki.

Im ersten Band passiert im Altersheim „Abendhain“, in dem Siiri und Irma wohnen, ein Mord. Die beiden und Anna-Liisa, mit der sie zunehmend Freundschaft schließen, hassen es, von der Heimleitung und deren Angestellten für dumm verkauft zu werden. Also begeben sie sich selbst auf Ermittlungen. Seltsame Dinge gehen vor, wie etwa ständig neue Medikamente. Doch das Abenteuer der drei Damen ist nicht ganz ungefährlich. Irma wird ernsthaft in Gefahr gebracht, aber zum Glück lernen sie Mika Korhonen kennen. Auch wenn die drei Damen ihn nicht ganz einschätzen können, ist er doch der Retter in letzter Sekunde.

2. Band: Whisky für drei alte Damen oder Wer geht denn hier mit dem Stock?

Im zweiten Band wird „Abendhain“ renoviert. Bohren, Hämmern, Löcher in der Wand und ähnliche Unannehmlichkeiten einer Baustelle sorgen dafür, dass Siiri, Irma, Anna-Liisa und noch weitere Bewohner ausziehen möchten. Doch so einfach ist das nicht. Helsinki ist teuer. Schließlich haben sie die zündende Idee: wenn junge Leute einfach eine WG gründen können, können sie das schon lange.

Gesagt, getan. Doch das Zusammenleben mehrerer über 90-jähriger stellt sich als nicht ganz einfach heraus. Vor allem, seit ständig unbekannte Leute in ihrer Wohnung aus und ein gehen.

3. Band: Sherry für drei alte Damen oder Wer macht das Licht aus?

Im schon dritten und (leider) letzten Band der Serie ist „Abendhain“ endlich fertig renoviert. Aber ganz geheuer sind die neuen Maßnahmen Siiri und Irma nicht: statt Personal gibt es nur noch Maschinen, die nicht ganz so funktionieren, wie man sich das wünscht. In der Früh begrüßt sie eine digitale Stimme mit Bibelversen, das Essen wird aus Maschinen gepresst und statt Pflegekräften gibt es Roboter. Blöd nur, dass diese Roboter zunehmend außer Kontrolle geraten und für Todesfälle sorgen. Das lassen Siiri und Irma natürlich nicht einfach so auf sich sitzen. Also begeben sie sich wieder einmal auf Ermittlungen, die sie in den Kreis einer Sekte führen.

Achtung Spoiler! Ich find es ja furchtbar schade, dass die Serie keinen vierten Band hat. Am Ende werden die beiden Damen ins Gefängnis gesperrt und ich bin sicher, dass sich dort ebenso eine wunderbar unterhaltsame Geschichte ergeben würde…

Alle drei Bücher erzählen von Freundschaft, die auch im hohen Alter noch enorm wichtig ist. Die drei Damen haben weder ihren Humor noch ihren Sinn für das, was im Leben wirklich zählt, verloren, was die Bücher auch so lebendig macht.

Der Stil von Minna Lindgren ist einfach, aber sehr unterhaltsam. Sie beschreibt das Leben im Altersheim überzeichnet, aber nicht unglaubwürdig und in all seinen Facetten.

Die beiden Hauptfiguren Siiri und Irma sind mit ihrem Alter, ihrer Verschrobenheit und ihrer Neugierde extrem liebenswert. Auch wenn viele Seiten der Bücher kaum merklich zur Handlung beitragen, verfolgt man als Leserin den Alltag der beiden Damen gerne. Zwischendurch musste ich wirklich laut auflachen, etwa weil Irma regelmäßig an den unpassendsten Stellen „Döden, döden, döden“ (döden ist das schwedische Wort für sterben) sagt und so für die Absurdität einzelner Szenen sorgt.

Teilweise zieht sich jeder Roman ein bisschen, da es oft lange braucht, bis die Geschichte in Fahrt kommt. Vor allem der zweite Band, der eigentlich sehr unterhaltsam ist, verliert die Handlung ein bisschen. Am Ende kommt sie dann doch in Fahrt, bleibt aber (leider) relativ offen. Zum Glück wird im dritten Band noch ein bisschen was davon wieder aufgenommen.

Die Bücher sind alle im Kiepenheuer & Witsch Verlag erschienen.

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